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Born in the USA

winestreet.ch reagiert höchst sensibel auf Endverbraucher-Werbung. Kaum flattert der neue Mövenpick-Prospekt in den Briefkasten, wird ausgeschwärmt.

„Neuheiten & Klassiker aus den USA“ hiess es in diesen Tagen in den 14 Mövenpick-Shops. Will heissen: Degustiert werden konnte viel Hochprozentiges, bei dem selbst alles Spucken dieser Welt nicht einen dezenten Rausch verhindern konnte.

Aus Zeitgründen haben wir uns gleich auf die Kaliber gestürzt und einige wohl durchaus interessante, preiswertere Kandidaten (Rutherford Cabernet oder CMS) ausgelassen. Snobs, wir.

Sensationell gute Cabernet Sauvignons

Etwas enttäuschend fand ich die Weine der Kult-Kellerei Orin Swift Cellers, Macher des grossartigen Papillon. Klar, sowohl der Grenache/Syrah-Blend Abstract 2010 (39.50) wie auch der Zinfandel Saldo 2009 (39 Franken) waren meilenweit davon entfernt, schlechte Weine zu sein. Aber sie wirkten auf mich einfach etwas zu beliebig zu diesem Preis. Obwohl die überaus chicken Flaschen ja auch als Deko durchaus etwas hermachen würden.

Ein durch und durch unkomplizierter Pinot Noir war der Scott 2009 (29 statt 33 Franken). Wer etwas Süffiges und nicht allzu Mächtiges sucht, macht mit diesem Wein nichts falsch. Auch, wenn die sortentypischen Erdbeer-Aromen einen Hauch zu gekünstelt daherkamen.

Freude herrschte insbesondere bei den Cabernet Sauvignons. Der Mount Veeder 2007 (39 Franken) des Schweizer Produzenten Hess war das Abziehbild eines modernen Napa Cabs. Wuchtiger Körper mit geschliffenen Tanninen, intensive Frucht, massig Süssholz und Vanille im beeindruckenden Abgang. Sowas werden nur notorische Neue Welt-Verächter nicht mögen. Überwältigt war ich von der Neuheit Conn Creek 2009 (44 Franken). Der war etwas weniger wuchtig als der Kollege von Hess, wirkte mit seinen Pfeffer-Aromen und frischem Holunder im Nachhall aber um einiges eleganter. Von Eleganz war beim Hunnicut 2009 (52 Franken) nicht viel zu spüren. Ein Monster von einem Wein mit richtig fetter Frucht, massenhaft Schokolade und Mokkaaromen. Wer einen solchen Stil mag, wird diesen Wein lieben.

Gemischte Gefühle beim Merlot

Nicht umgehauen hat mich der Newton Merlot 2006 (68 Franken). Der wirkte mit eher feiner Frucht und bitterem Finale etwas belanglos – zumindest bei diesem Preis. Da habe ich die 2004er-Version besser in Erinnerung. Die Neuheit Plumpjack Merlot 2009 (68 Franken) spielte da schon in einer anderen Liga. Ein Kraftprotz vor dem Herrn mit massivem Tanningerüst, geschmeidiger Frucht und toller Länge.

Zinfandel und ich werden in diesem Leben wohl keine Freunde mehr. Zu präsent sind die Erinnerungen an die charakterlose Fruchtplörre, die wir uns in den Anfangstagen flaschenweise reingekippt haben. Deshalb ging ich auch nicht vorurteilsfrei an den Caymus 2008 (54 Franken) ran. Was soll ich sagen: Gut gemacht, tolle Frucht, überraschend komplex, schöne Länge. Lecker. Bauchgefühl: Es wäre an der Zeit, diese Sorte wieder zu mögen. Verstand: 54 Franken für einen Zinfandel?!? No way!

Premium-Weine natürlich top

Die echten Brikkets wurden diesmal direkt an der Kasse eingeschenkt. Verkaufstechnisch nicht das Dümmste. Und natürlich waren diese Weine, welche sich allesamt weit jenseits der 70 Franken-Grenze bewegten, allesamt Hammerteile.

Vielleicht mit Ausnahme des Cuvées Napanook 2008 (79 Franken), der mit seiner penetrant marmeladigen Frucht für meinen Geschmack die Grenze zur Klebrigkeit ziemlich überschritten hat.

Schlicht überwältigend waren die Cabernet Sauvignons von Round Pond 2008 (78 Franken) und Cade Howell Mountain 2007 (88 Franken). Beides Musterbeispiele für perfekt ausbalancierte Power-Weine mit mächtig Druck und epischer Länge. Weniger druckvoll, dafür weit eleganter kam der Cabernet Sauvignon Reserve 2008 (135 statt 155 Franken) von Mondavi daher. Wahrlich ein edler Monsieur, der geschmacklich jedoch zwischen den Geschossen Round Pond und Cade fast ein wenig deplatziert wirkte.

Der wiederum kraftvollere Dr. Stephens Cabernet Sauvignon 2006 (93 statt 155 Franken) war ebenfalls nicht von schlechten Eltern, auch wenn die für meinen Geschmack etwas zu dominanten Toasting-Aromen die wahre Qualität nur erahnen liessen. Aber das ist dann schon Kritik auf enorm hohem Niveau.

Weil gerade noch eine offene Flasche vom Vortag rumstand, gabs zum Abschluss einen Schluck vom Lewis Alecs Blend 2008 (75 Franken). Diese Cuvée aus Syrah, Cabernet und Merlot kam mit seiner ultrakonzentrierten Fruchtsüsse aber schon fast wie ein Dessertwein daher. Wer seine Coupe Hot Berry also gerne alkoholhaltig hat, sollte den Wein mal antesten.

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