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Was Rotes aus der Nachbarschaft

Ok, der ist jetzt ein bisserl‘ zweideutig. Zur Klarstellung: Es geht um einen Rotwein von einer Traubensorte, die ausschliesslich im Kanton Waadt kultiviert wird. Und am Rande auch noch um einen Schweizer Horrorfilm.

Freitag Abend, endlich Wochenende. Zudem sturmfreie Bude, da die Dame des Hauses anderweitig beschäftigt ist. Vor mir liegen Käse und hauchdünnes Bündnerfleisch. Dazu nicht ganz passend eine Flasche eines Napa Valley-Pinots. Weil die aber mit heftigem Korkgeschmack rumzickt und mein Mini-Weinschrank grad nichts anders hergibt, greife ich notgedrungen zu einem geschenkten Schweizer Wein, einem Plant Robert 2009 Grand Cru von der Domaine de Autecour (19.50, Obrist.ch). Da ich mir auch gerade einen heimischen Horror(!)-Film in die PS3 geschoben habe, steht einem Eidgenössischen Double Feature nichts mehr im Wege.

Luxusversion des Gamay

Höre ich Plant Robert, denke ich zuerst mal an Led Zeppelin, eher weniger an Wein. Doch Plant Robert (auch Plant Robaz, Plant Rebez genannt) ist auch der Name einer Traubensorte, welche ausschliesslich in der Waadtländer Region Lavaux angebaut wird. Genaugenommen ist sie eigentlich gar keine eigene Rebsorte, sondern vielmehr eine qualitativ höherstehende Selektion der Gamay-Traube. Sie ist also sowas wie die gutgeratene Tochter einer Familie, die sonst eher einen bescheidenen Ruf geniesst. Die bekannteren Gamay-Vertreter, wie der Beaujolais (reinsortig) oder der Walliser Dôle (im Verschnitt), sind nämlich nicht selten fruchtige, eher einfach gestrickte Weine.  

Typisch. Und trotzdem überraschend.

Gleich nach dem Entkorken weht ein wiesen-frischer, würziger Duft entgegen: Krautig, erdig, authentisch. Halt einfach wie ein Wein, der nicht allzu viel Sonne erwischt hat. Erst bei intensivem Schnuppern machen sich dezente Kirsch-Aromen und ein Hauch von Süssholz bemerkbar.

Am Gaumen gibts dann erstmal ein ordentliches Pfund aus der Pfeffermühle an die Rübe. Mit ein wenig Belüftung zeigt er sich aber etwas zugänglicher – und auch die Frucht sagt in Form von reifen Brombeeren kurz Hallo. Der Abgang ist dann wieder deutlich von scharfen Würzaromen dominiert. Dieser Domaine de Autecour ist echt noch Wein in seiner ursprünglichen Form: Rustikal, ohne Make-up, ein echtes und ehrliches Landwirtschaftsprodukt eben, das geradezu nach einer Berner Platte schreit.

Obwohl mir dieser Stil sonst nicht sehr zusagt, kann ich dem Wein heute durchaus was abgewinnen. Gut, vielleicht macht die Tatsache, dass der unvorstellbar schlechte One Way Trip mein Schmerzempfinden zwischenzeitlich ausgeschaltet hat den Wein noch etwas besser. Trotzdem: Bin positiv überrascht…oder einfach gut dauf, is‘ ja Wochenende.

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