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BOTG8: Giro d’Italia 2006

Die achte Ausgabe der Battle entwickelte sich zum Abend der Überraschungen. Uns wurde wiedermal eindrücklich vor Augen geführt, wie wenig Ahnung wir doch von diesem Produkt haben, welches hier auf dieser Seite so zelebriert wird….

Wie unschwer am Motto zu erkennen ist, waren Italienische Rotweine aus dem Top-Jahrgang 2006 zugelassen.

Zum Warm-Up gabs jedoch was Weisses: Einen äusserst süffigen Roero Arneis Cascina Rivetto 2009 (87/100, 17.20, Kellerei St. Georg). Eigentlich bewegte sich der Wein mit seiner süsslichen Fruch ziemlich nah am Rande der Klebrigkeit – die knackige Säure aber rettete ihn aber souverän vor dem Absturz. Zu diesem Preis wirklich empfehlenswert. 

Battaglia d’Italia 2006

Los gings dann mit der Blinddegustation (Bewertung BOTG-üblich nach 100er-Skala). Und die sollte für einige Überraschungen, perplexe Gesichter und mindestens einmal sogar für Fassungslosigkeit sorgen – insbesondere auch bei einem Kollegen, der für uns sowas wie der „Godfather of Italian Wines“ ist (zumindest bis dahin…).

Der erste Wein, ein Valpolicella Superior Zardini (79/100, 22.80, flaschenpost.ch), war direkt am Anfang etwas suboptimal platziert. Er präsentierte sich zwar ausserordentlich süffig, hinterliess aber mit seiner süsslichen, seifigen, wässrigen Aromen nicht gerade einen memorablen Auftritt. Der kurze Abgang war zudem in etwa so nachhaltig wie ein 20er-Kaumgummi (gibt’s die eigentlich noch?).

Danach aber schon der erste Hammer des Abends: Mit skandalösen 83 Punkten bewertete ich einen der vermeintlichen Stars des Abends, den Barolo Vietti (83/100, 59 Franken, Caratello), ein eher klassisch-orientierter Vertreter und so garstig, wie halt ein junger Nebbiolo nun mal so ist. Heute notierte ich: Belangloses Tröpfchen, zwar fein, kaum Frucht, eher einfach gestrickt. Mist, ich sollte es doch inzwischen besser wissen.

Der zweite Schlag folgte sogleich – quasi in die umgekehrte Richtung. Unglaubliche *hüstel* 86 Punkte war mir ein Produkt meines Lieblings-Bashing-Objektes vinovintana.ch wert! Der kauzige sardinische Il Tauro Connonau Riserva (86/100, 7.50, VinoVintana) wirkte in diesem Lineup so wie ich mir den Barolo gewünscht hätte. Dabei steht er für 7.50 (!!!!) neben Masi-Plagiaten, Matrazzen und Holzregalen auf Paletten rum. Auch wenn die Kollegen vielleicht nicht ganz so euphorisch waren wie ich, kam der Wein immerhin auf den respektablen *doppelhüstel* 4. Rang. Ich trau‘ mich kaum, es zu schreiben, aber: Kauftipp! Und nun Schande über mich! (*ausredesuchmodus ein* Ich habe den Wein übrigens 2 Wochen später nochmals probiert. Auch wenn er zu diesem Preis immer noch ok war, fand ihn doch wesentlich langweiliger und vorallem völlig anders als die Flasche am Battle – haben wir da etwa die einzig gute Flasche erwischt? *ausredesuchmodus aus*)

Dann endlich, endlich kam ein alter Bekannter ins Glas und damit was fürs Selbstvertrauen! Die Südtiroler Lagrein/Merlot-Kreuzung Mauritius der Kellerei Bozen (91/100, 36 Franken, Vinothek Brancaia). Sehr geschmeidig-crèmiger Top-Wein, der einfach uneingeschränkt Spass macht. Ein grossartiger Tropfen aus einem (noch) unterschätzten Gebiet, der schon hier und hier Spass machte. Platz 2. Hochverdient.

Als nächstes folgte mit dem Mille e una Notta (92/100, 75 Franken, flaschenpost.ch), das Flagschiff von Donnafugata, die gepimpte Version eines Nero d’Avola. Ein kraftvolles, geschmeidig zu trinkendes Weinmonster, das alle vorangegangen Weine mit seiner überbordenenen Frucht und massivsten Toasting-Aromen mal so im Vorbeigehen an die Wand klatschte. Dieser Wein ist mindestens so oppulent wie die seine Etikette. Supergenial zum Trinken und in diesem Lineup und dieser Situation klar der beste Wein.

Dann wars Zeit für das Streitobjekt des Abends. Den Sfursat Plozza Vin da Ca’ (88/100, 31.50, Paul Ullrich) hasste man oder man liebte ihn. Dazwischen gabs nichts, was ihm in der Gesamtwertung dann leider den letzten Platz bescherte. Der reinsortige Nebbiolo aus dem Veltlin war mit seiner mürben und modrigen Frucht und viel Waldboden beim ersten Schluck so unzugänglich wie das Schlafgemach des Papstes. Sicherlich fernab von Everybodys Darling, ein Wein, der mit jedem Schluck entdeckt werden will – und ganz sicher der herausfordernste Wein dieses Abends. Ihn jedoch mit 50 Punkten abzukanzeln, wie es 2 Kollegen getan haben, ist geradezu ein Manifest der Inkompetenz (Tschuldigung Freunde, aber der musste jetzt so raus)…

Ein ganz grosser Klassiker durfte natürlich auch nicht fehlen. So kam der Masi Amarone Valpolicella Classico (90/100, 32.90, Manor) in der Spezialabüllung von Alexander von Essen ins Glas. Ein typischer, überaus leckerer – vielleicht ein Hauch zu unkomplizierter Amarone-Vertreter. Aber allemal ein toller Wein, dabei glücklicherweise kein Totschläger wie so manch anderer seiner Artgenossen. Schaffte es locker auf Platz 3.

Der letzte Wein war für mich dann der Knaller – oder eigentlich eher der psychische Knock Out – schlechthin. Beim Aldi-Brunello San Zenone (88/100, 15.99, ALDI) notierte ich ”Reife Frucht, Kirschen, Gewürzaromen, nicht unspannend. Im Gaumen gewisse Eleganz zeigend, relativ langer Nachhall. Wirklich nicht schlecht”. Der 2005-Version sprach ich vor kurzem noch jegliche Trinkbarkeit (wohlverstanden: Auch blind degustiert!) ab. Anderes Bild heute: Dieser Aldi-Brunello war nicht outstanding, aber wirklich trinkbar. Allerdings auch ein Wein zum Soforttrinken. Denn einen Tag später fragte ich mich, wie ich diesem Spülmittel-Tastealike tatsächlich *dreifachhüstelkollaps!* 88 Punkte geben konnte…

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