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BOTG7: Damen von Welt

Für eine neue BOTG-Ausgabe liess sich der Gastgeber ein besonderes Thema einfallen: Weine von Frauenhand gemacht. Sowas ist gar nicht so mir nichts dir nichts zu finden. Daher gabs dieses Mal auch nur 6 Flaschen. Die hatten es aber ausnahmslos in sich.

Den Anfang machte der Bündner Vertreter Intuiva Pinot Noir von Carina Kunz (88/100, 56 Franken, Weine Simone Lanz). Der roch mit seinen Nuss/Mokka- und reifen Himbeeren-Aromen nicht wirklich ultratypisch nach Pinot Noir. Im Mund dann viel Frucht, allen voran tonnenweise Erdbeeren (da winkte der Pinot nun aber mit dem Zaunpfahl), Tabak und Gewürze. Im Nachhall (noch?) unharmonisch, etwas Chili, ins Süssliche tendierend und stark vom Holzfass dominiert. Ein gelungener Auftakt und einer der besseren Schweizer-Pinots, die ich in der jüngeren Vergangenheit probieren durfte. Allerdings schmerzt der Preis von 56 Franken dann doch ein wenig, auch wenns auf jede Etikette eine persönliche Widmung der Schöpferin gibt. Trotzdem: Hübsche Sache.

Mit frisch aufgetragener Dispersionsfarbe, gekochten Brombeeren und feinen Nussaromen beeindruckte der zweite Wein, welcher sich als Rosso die Montalcino Cordella 2009 (91/100, 19.90, Le Vin) entpuppte. Was da für unter 20 Franken im Glas steckte, war schon eine kleine Sensation: Die Frucht präsentierte sich auf der Zunge noch etwas unreif und die austrocknende Tannine ziemlich harsch, doch die einnehmenden Gewürz- und Kirsch-Aromen und der von feinen Toasting-Noten geprägte Abgang riessen das Ruder locker rum. Schönes Teil – doch der echte Knaller aus gleichem Hause sollte erst noch folgen.

Zuerst kam aber die Parfümwolke des Lineups – La Grande Dame, quasi. Der Südfranzose Le Roc des Anges, Carignan 1903 2008 (88/100, 43 Franken, Vinothek Studer)  machte mit seinen Liquor-liken Rumtopf-Aromen, Marroni und dunkelschwarzesten Cassis-Beeren mächtig Dampf unterm Rock. Auch im Mund hatte der Wein die Eigenschaften eines echten Sattmachers: Konfitüre, deutliche Holzaromen, etwas Pfeffer und ein alkoholischer Abgang. Aber irgendwie doch alles mit Klasse. Ein bisschen wie eine weingewordene Beth Ditto also: etwas mollig, stilvoll, aber in hohen Dosen eher unbekömmlich.

Der darauffolgende Chateauneuf du Pape Juliette Anviel 2008 (92/100, 36.90, Schulerwirkte wie eine Light-Version des Le Roc des Anges. Dieselben Aromen, aber irgendwie alles kontrollierter und kompakter. Im Mund seidig-fein, tolle Frucht und cremig-langer Abgang, jedoch noch gerade so mit der nötigen Komplexität ausgestattet. Zu diesem Preis ein ausserordentlich empfehlenswerter C9dP. Two Thumbs Up.

Dann folgte die Sensation des Abends: Ach was, in der Nachbetrachtung DIE Wein-Entdeckung der letzten 12 Monate. Die Rede war vom grossen Bruder (oder eben die Schwester) des Cordella-Rossos: Brunello di Montalcino Cordella 2006 (94+/100, 39 Franken, Le Vin). Ein unheimlich betörendes fruchtig-würziges Bouquet, dezente Nussaromen im Hintergrund, gekochte Beeren, reife Kirschen und Champignons. Im Mund dann eine extrem geschmeidige Frucht, sehr präsente aber geschliffene Tannine. Ein Süchtigmacher. Ich notierte, sowas ist unter 50 Franken nicht zu haben. Und lag glücklicherweise sehr daneben. Gehet und kaufet!

Nach dem geschmeidigen Cordella hatte es ein Totschläger wie La Stoppa 2003 (90/100, 36 Franken, finewines.chnicht ganz einfach. Mit seinem Power-Bouquet aus Portwein, Tabak, Maggi-Gewürze und reifen Pflaumen stand der schon Amarone-like im Glas. Und so breitbeinig schmeckte er dann auch. Obwohl der älteste des Abends wirkt der Wein noch unheimlich jung. Ein toller Wein, aber hier und jetzt fast schon ein wenig zu kompliziert. Unglaublich, was die Dame da aus der Cabernet-Traube herausgeholt hat.

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