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Das gepflegte Syrah-Donnerwetter

Wenns draussen frostig und ungemütlich ist, muss drinnen ganz dringend was Wärmendes ins Glas! Die Sorte Syrah gehört auf der Wumms-Skala zu den Spitzenreitern. Deshalb haben wir uns 10 Flaschen aus aller Welt reingedonnert. Gepflegt natürlich.

Die Syrah-Traube (in der neuen Welt „Shiraz“) gehört zu den bekanntesten Traubensorten der Welt. Sie stammt ursprünglich aus – täräää! – Frankreich und ist dort Bestandteil einiger ganz grosser Rhônetal-Weine.

Ihr fruchtig-würziges Wucht-Potenzial zeigt sie aber nicht selten in der neuen Welt in voller Pracht. Gerade in Kombination mit viel Sonne entstehen tiefdunkle, kraftvolle, fruchtige und relativ alkoholreiche Weine mit ordentlich Mukkis. Genau diese Eigenschaften rückten denn auch das Shiraz-Anbaugebiet Nummer Eins, Australien, in den Augen vieler Old-School-Weinexperten in ein schiefes Licht. Ging es nämlich um unkomplizierten, aber charakterlosen Marmeladen-Wein, ging es fast immer um einen Shiraz im Aussie-Stil.

Da mag in den untersten Preisregionen auch durchaus was dran sein, doch wer einmal an einem wirklich hochwertigen Neue Welt-Shiraz geschlürft hat, kommt davon nur schwer wieder weg. Tatsache ist, dass gerade auch aus der Syrah-Traube überall auf der Welt äusserst facettenreiche Weine gekeltert werden können, bei denen das sagenumwobene „Terroir“ voll durchscheint – und da schmeckt ein sonnenverwöhnter Barossa Shiraz halt schon mal etwas wuchtiger als ein Walliser Syrah.

Schweiz: Dabeisein ist alles

Wir haben für diese Degustation zehn reinsortige Syrah/Shiraz entkorkt und in willkürlicher Reihenfolge blind degustiert (Bewertung: Nach 20er-Skala). Eher zufällig als geplant waren die Kandidaten aus der Neuen und Alten Welt fast gleichmässig vertreten. Australien war – beinahe selbstredend – mit drei Weinen am häufigsten vertreten.

Unter den Weinen befanden sich auch zwei Vertreter aus der Schweiz – die aber sehr deutlich auf den Rängen 9 und 10 landeten. Gut, dass der namenslose Landi-Wein für 2.95 (12/20) es nicht auf einen Platz in der Sonne schaffen würde, war zu erwarten und eher als Verkoster-Test zu verstehen. Doch auch der Syrah Maitre des Chais 2007 (13/20, 23.65, Gazzar) war in diesem Lineup komplett neben den Schuhen. Wohlwollend formuliert konnte man sagen, dass die feingliedrige Frucht und die dezente Würzigkeit nichts gegen die kräftigeren Konkurrenten ausrichten konnte. Oder einfach: Ein ziemlich kraftloser, säuerlicher und nichtssagender Himbeer-Saft.

Auch der wohl aussergewöhnlichste Kandidat schaffte es an diesem Abend nicht weit nach vorne. Der 15-jährige Aussie-Shiraz Château Tahbilk Reserve 1996 (14/20, 59 Franken, Passion du Vin) wirkte bereits so mürbe und schlaff, dass wir nach dem ersten Schluck gleich eine Schweigeminute einlegen mussten. Ist der wirklich noch in seiner besten Trinkreife?

Der Absturz einer Ikone

Gar nicht mein Ding war heute die winestreet.ch-Top10-Ikone Rockford Basked Press 2005 (16,5/20, 39 Franken, martel.ch). Sonst einer meiner Lieblings-Aussies, kanzelte ich ihn heute mit beschämenden 16,5 Punkten geradezu ab und setzte ihn somit auf Rang 7. Eher einfach,  Richtung Easy-Drinking tendierend gab ich zu Protokoll – eigentlich ziemlich genau das Gegenteil, was ich ihm hier attestierte. Ihr dürft jetzt kurz lachen.

Im Mittelfeld tummelten sich dann einige nicht uninteressante Kandidaten. Platz 6 ging an einen in diesem Blog bereits bestens bekannten und sehr zuverlässigen Produzenten. Der argentinische Syrah 2004 von O. Fournier (17/20, 58 Franken, Mövenpick), ein moderner Powerwein, in dem es von gekochten Beeren und Lakritze nur so wimmelte. Eine Entdeckung war Te Mata Bullnose Shiraz 2004 (17+/20, 38 Franken, Passion du Vin) aus Neuseeland. Der wirkte wie die etwas bodenständigere Version des Fournier-Syrahs. Fein, bereits toll gereift, trotzdem erdig-frisch und einfach authentisch. Toll, so hätte ich mir den Rockford doch so sehr gewünscht…

Beim Tenuta Dell’Ammiraglia 2006 (17,5/20, 58 Franken, Mövenpickläuteten dann zum ersten Mal alle Neue-Welt-Klischee-Alarmglocken. Ich hätte meinen Hintern darauf verwetten können, dass da ein Australier im Glas stand. Dass ich noch einen besitze, beruht nicht auf der Tatsache, dass ich recht hatte, sondern nicht gewettet habe. Denn auch die Tiffosi kriegen ganz offensichtlich aus dieser Traube ohne weiteres eine flüssiggewordene Blueberry-Muffin-Mokka-Kirschtorte hin. Uff. Lecker, doch ab morgen is‘ Diät.

Vorne wird’s Neu!

Das Streitobjekt des Abends wählte ich persönlich auf Platz 3. Der Cornas Auguste Clape 2004 (18/20, 88 Franken, Passion du Vinaus dem Rhône-Gebiet wirkte wie ein gepflegtes und nobles Cesaren-Getränk, das so gar nicht zwischen den beiden Geschosse von Fournier und Tenuta Dell’Ammiraglia reinpasste. Er war mit seiner feinen Frucht, viel Würzigkeit und frisch-knackiger Säure ganz bestimmt nicht Everybodys Darling. Schon gar ich zu diesem Preis.

Dass Platz 1 und 2 nach Australien gingen, hat an diesem Abend niemand überrascht. Der Old Adam 2007 (19/20, 58 Franken, Mövenpick) überzeugte nicht zum ersten Mal und war mit seiner kraftvoll überbordenden Frucht, den massivsten, aber geschmeidigen Gerbstoffen und der unglaublichen Länge die Blaupause eines hochwertigen, australischen Weines.

Geschlagen wurde er nur vom genialen und schon etwas gereifter wirkenden Two Hands Lily’s Garden 2006 (19+/20, 45.90, hpfinewines.ch), den ich aufgrund seiner Würzigkeit und etwas mehr Komplexität noch einen Hauch besser fand. Absolut grossartig!

Geniessen konnte ich ihn trotzdem nicht. Im Sinne einer Selbstbestrafung trank ich nämlich den Rockford leer – den ich danach übrigens viel, viel besser fand. Aber das zählte ja nicht mehr.

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