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WS is BACK!

Nach schier unerträglich langer Durststrecke meldet sich winestreet.ch wieder zurück. Mit im Gepäck: Das Non-Plus-Ultra der italienischen Weinkunst – zumindest, wenn es nach den Piemontesern geht.

Barolo und Barbaresco gehören zweifellos zu den ganz grossen und wohlklingenden Namen in der Weinwelt. Höchst selten jedoch sorgen die oftmals komplexen Weine für die Liebe auf den ersten Blick – nein, als Einsteiger mag man sie eigentlich fast nie auf Anhieb. Aber bekanntlich ist es ja so: Wessen Herz man sich hart erkämpfen muss, dessen Liebe wird unerschöpflich sein (an dieser Stelle sei der Gedanke erlaubt, diesen Blog in philosophystreet.ch umzubenennen).

Die beiden Big B’s werden ausnahmslos aus 100% Nebbiolo-Trauben gekeltert. Zur den eigensinnigen Eigenschaften dieser Sorte in ihrem zarten Alter haben wir uns hier ausreichend geäussert. Deshalb steigen wir gleich direkt in die Weine ein – schliesslich haben wir ja nun lange genug gewartet.

Pio Cesare vs. Discounter-Weine

Für diesen Quasi-Comeback-Post haben wir uns natürlich nicht lumpen lassen und gleich zwei Schwergewichte einer der renommiertesten Weinkellereien des Piemonts entkorkt: Den Barbaresco und Barolo von Pio Cesare. Beide aus dem Jahr 2006 – beide um die 55 Franken die Flasche. Das Weinhaus Pio Cesare wurde 1881 gegründet und gehört seit Mitte des 19. Jahrhunderts zu den wirklich herausragenden Produzenten im Piemont. Inzwischen keltert Pio Cesare eine Vielzahl von Piemont-Weinen – vom süffigen Moscato d‘Asti bis zu dem 100-Franken-schweren Barolo „Ornato“.

winestreet.ch wäre jedoch nicht winestreet.ch, wenn wir die beiden Pio Cesare-Vertreter einfach so mir nichts, dir nichts runtergekippt hätten. Natürlich wollten wir wissen, ob die Weine ihr Geld wert sind und haben sie jeweils gegen einen günstigeren Kandidaten von unserem Lieblings-Discounter antreten lassen. Los geht’s.

Barolo vor Barbaresco

Glas 1: Aus dem Glas kommt dieser Nebbiolo-typische, sauer-süssliche Duft von reifen Kirschen hoch, dahinter etwas, das nach verbranntem Pilzauflauf riecht (so MUSS der auf jeden Fall riechen) und dezent stechende Petrol-Noten. Beim ersten Schluck zuerst fast salzig und mit beeindruckender Abstinenz jeglicher Frucht. Spätestens beim dritten Schluck entwickelt er sich aber gewaltig, wirkt knackig-frisch, naturgemäss ungemein tanninhaltig und mit nun doch präsenter Kirsch-Frucht. Der Abgang kommt noch etwas gar chemisch und alkoholisch daher. Am besten noch eine halbe Stunde mit dem Saugbläser belüften – dann wird er sehr angenehm zu trinken sein (Pio Cesare Barbaresco 2006, ca. 55 Franken, u.a. Coop).

Glas 2: In der Nase sauer-miefig wie gebrauchte Socken, dazu etwas Rauch. Wirkt im direkten Vergleich verschlossen und eher wie eine missglückte Light-Version einer Cherry Coke als ein Nebbiolo. Im Mund arg sauer, jedoch mit relativ feinen Tanninen ausgestattet. Im Nachhall aber sehr holzig und erschreckend wässrig und schlicht zu langweilig. Im Verlaufe des Abends pendelt er sich dann irgendwo zwischen belanglos und nicht geniessbar ein. Niente. (Barbaresco Sant Orsola, I siglati 2006, 11.95, Denner)

Glas 3: Im Duft mit Abstand der kräutrigste Wein bisher: Haufenweise frische Gewürze, feucht-modriger Waldboden – zudem hat da die Eiche für viel Süssholz gesorgt. So was kann man schon mal mögen. Im Gaumen dann leider etwas schwach auf der Brust: Eher einfach mit massig Säure und bereits reif wirkenden Gerbstoffen, aber kaum Fruchtaromen und ein etwas gewöhnungsbedürftiger buttrig-saurer Abgang. Ein Wein mehr zum Riechen als zum Trinken also (Barolo Manfredi 2006, 14.95, Denner)

Glas 4: Da macht aber jemand auf ganz dicke Hose! Dieser Vertreter kommt in der Nase schon mal top-modern daher: Frucht-Sorbet a-gogo an der Grenze der Kaugummi-Klebrigkeit, dazu mächtig viel Tabak – ach was, eine XXL-Zigarrenbox! – und deutliche Toasting-Noten mit einem Hauch Karamel verleihen dem Wein schon fast was Aussie-Mässiges. Im Mund dann auch kein Kind von Traurigkeit: Süsslich-warme Beerenaromen, die extrem wuchtige Gerbstoffe machen keine Gefangenen, und ein herb-kantiger, aber unverschämt langer Abgang sorgen für ein memorables Ende. Klar der Schwarzenegger dieser Runde. Wine Spectator gibt ihm dafür 91 Punkte. Nachvollziehbar (Pio Cesare Barolo 2006, 53.40, Kaufmannweine.ch).

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