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Alt gegen Neu, Volume 2: Merlot

Sie ist sowas wie die Sarah Engels unter den Weinen. Obwohl sie regelmässig gute bis hervorragende Leistungen an den Tag legt, wird sie oftmals nur belächelt und nicht selten verachtet: Merlot.

In den ersten 10 Jahren des neuen Millenniums musste die Merlot ziemlich unten durch. Schuld daran war eine Independent-Produktion aus Hollywood: Sideways. Darin äusserte sich der Hauptcharakter ziemlich abschätzend über Merlot-Weine. Da der Film durchschlagende Erfolge feierte, erlebte die ohnehin schon angeschlagene Sorte zumindest in den Staaten sowas wie eine Nahtoderfahrung

Die Merlot-Traube stammt ursprünglich aus (wie könnte es anders sein?) Frankreich. Inzwischen hat sie sich aber überall auf der ganzen Welt verbreitet, fühlt sich dabei an jeder Ecke pudelwohl und gilt als sehr ertragsreich, was wohl alles zu ihrem Callgirl-Image beigetragen hat.

Auf der einen Seite ergibt die Merlot fruchtige und unkomplizierte Weine, die nach wenigen Jahren bereits genussreif,  manchmal eben auch schrecklich einfach sind. Auf der anderen Seite werden aus ihr einige der grössten Weine der Welt hergestellt – und insbesondere am rechten Ufer im Bordelais geht ohne Merlot gar nix.  Reinsortig wird sie heute vor allem in der Neuen Welt ausgebaut. Aber auch in Italien und natürlich im Tessin spielt Merlot eine wichtige Rolle.

Wir haben uns zu diesem Vergleich zwei reinsortige Merlot aus dem mittleren bis oberen Preissegment besorgt und blind verkostet.

Montiano Falesco 2007, Italien/Lazio (52 Franken, ullrich.ch)

In der Nase ein intensives Bouquet mit viel Rauch, Gewürzen, massiven dunklen Beeren und reifen Kirschen – ohne es zu wissen: der riecht wie ein stilvoll gekleideter, wenn auch etwas schleimiger Macho, Typ: Südländer.  Im Mund dann ein zweischneidiges Schwert: Ausgewogen und harmonisch mit schöner Frucht, sonnengetrockneten Kräutern und jede Menge cremiger Alpenbutter – im Abgang dann doch etwas garstig mit bitteren, austrocknenden Gerbstoffen, die dir den letzten Tropfen Speichel aus der Zunge ziehen. Das wird sich aber im Alter sicher legen. Unter dem Strich ein toller Wein, aber die 52 Franken schmerzen.

Craneford Merlot 2006, Australien/Barossa (29.90, Wyhus Ryf)

In der Nase wirkt der Wein mit seinen frisch-fruchtigen Aromen wie ein Erdbeermilchshake mit einem Hauch Pfeffer – ziemlich sexy das Ganze. Im Mund ist er dann so süss, dass ich die Kariesbakterien eine Orgie feiern höre: Erdbeeren, Himbeeren, Mokka und etwas Aprikose-Gelee im Abgang. Sowas kriegen wohl definitiv nur die Australier aus der Merlot raus. Naja, lassen wir uns blenden und finden es für heute einfach mal uneingeschränkt lecker.

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