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Alt gegen Neu, Volume 1: Malbec

Erste Ausgabe der neuen „Alte Welt vs. Neue Welt“-Serie. Los geht’s mit einer Sorte, die ursprünglich aus Frankreich kommt, bei der man aber trotzdem an Argentinien denken muss: Malbec.

Die Diskussion ist an sich ein ein alter Hut, die Meinungen vieler Weinliebhaber scheinen gemacht: Neue Welt = Moderne, Industrie, Beliebigkeit, Kommerz = Puh! Alte Welt = Tradition, Terroir, Authentizität, Leidenschaft = *Händeklatsch*.

Nun, so einfach ist die ganze Chose natürlich nicht. Inzwischen werden nämlich auch in der Alten Welt fruchtbetonte und geschliffene Weine hergestellt, während die Neue Welt (inklusive Australien) durchaus auch Charakterweine mit Ecken und Kanten hervorbringt. Die Frage ist daher weniger, woher ein Wein kommt, sondern vielmehr, nach welchen Prinzipien und mit welcher Ausbau-Methode er hergestellt wird. Herauszufinden, ob ein Wein beispielsweise aus Südspanien oder Kalifornien kommt, ist bei einer Verkostung ohne Etikett vor den Augen daher nicht selten sauschwierig (glaubt uns: wir habens schon oftmals probiert und sind ebenso oft kolossal gescheitert).

Dieser Artikel vom deutschen Master Sommelier Hendrik Thoma bringt alles Wesentliche zum Thema auf den Punkt.

Also, merke: Der Serien-Titel „Alt gegen Neu“ bezieht sich ausschliesslich auf die geographische Herkunft des Weines.

Ein Musterbeispiel erfolgreicher Integration

Malbec ist – ähnlich wie die Pinot Noir – das Weichei unter den Trauben. Im Bordelais, wo sie ursprünglich herkommt, ist es ihr nämlich zu kalt, weshalb sie dort nach Cabernet Sauvignon, Merlot und Cabernet Franc nur die zweite Geige spielt. Reinsortig wird sie in Europa eher  selten angebaut – nur in Cahors im Südwesten Frankreichs gehört sie noch zu den Hauptsorten.

Eine neue Heimat hat die Malbec aber in Argentinien gefunden – hier wurde sie innert relativ kurzer Zeit zur wichtigsten Rotwein-Rebe. Ausserordentlich gut gefällt es ihr offenbar im sonnigen Mendoza, kommen doch von dort die besten Malbec her.

Wir haben uns zum ersten Vergleich zwei reinsortige Malbec im Einstiegssegment besorgt und blind verkostet.

Malbec Reserve Santa Ana 2008, Argentinien/Mendoza (9.90, Coop)

In der Nase gibts erst angenehme Gerüche von Tabak und frischem Rauch, dahinter kommen aber relativ schnell süssliche Bombon-Aromen hoch. Beim intensiven Beschnuppern macht sich zudem eine starke Weissleim-Note bemerkbar. Er riecht so ein wenig wie die Holzabteilung bei OBI. Im Mund ist der Santa Ana dann ungewöhnlich sperrig und trotz aller Süsse ziemlich sauer und trocken. Die Aromen veranstalten ein seltsames Wirrwarr auf der Zunge und wirken dadurch so unharmonisch wie mein Streukreis nach dem Obligatorischen Schiessen. Hier wie dort: Nicht erfüllt.

Château du Pont Cuvée Prestige 2007, Frankreich/Cahors (12.90, Coop)

Nun sind wir bei OBI in der Maler-Abteilung gelandet: Frisch aufgetragene Dispersionsfarbe, etwas beissendes Ethanol, dazu nasser Waldboden und Pilz-Noten. Ziemlich komplex das Ganze – aber nicht uninteressant. Am Gaumen ist der Cahors-Vertreter mit seinen leichten Himbeer-  und Gewürz-Aromen äusserst mild. So mild, dass er sich aus dem Mund verabschiedet, als wäre er nie dagewesen. Auch hier sind die Aromen kaum definierbar und wirken wie weichgespült. Hat da Coop etwa sein Weight Watchers-Sortiment mit einem Wein erweitert? Naja, damit passt er auf jeden Fall zum geschmacksneutralen Halb-Fett-Camembert. Fazit: Nicht übel, aber doch sehr vergänglich…

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